Balthasar Christoph Wust: Unterschied zwischen den Versionen
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==Druckerei und Verlag== | ==Druckerei und Verlag== | ||
Version vom 23. November 2017, 14:53 Uhr
Balthasar Christoph Wust, der Ältere auch Balthasarus Christophorus Wustius (*9. Dezember 1630 in Wittenberg; † 1704) war ein deutscher Buchdrucker und Verleger und Sohn von Christoph Wust aus Wittenberg und (vermutlich) dessen zweiter Ehefrau Katharina Friess. Er heiratete 1654 Anna Margarete, eine Tochter des Buchdruckers Kaspar Rötel aus Frankfurt am Main. Im Jahr 1673 heiratete er in zweiter Ehe Dorothea Katharina Hüttner. Wust stammte aus einer Familie Wittenberger Bibelverleger, die väterlicherseits auf Samuel Selfisch zurückging. [1]
Druckerei und Verlag
Frankfurt am Main (1656–1705)
Balthasar Christoph Wust der Ältere übernahm 1656 die Druckerei seines Schwiegervaters Kaspar Rötel in Frankfurt am Main mit 5 Druckerpressen. Zu diesem Zeitpunkt druckte für ihn der Faktor Johann Andreae der Jüngere. Im Jahr 1680 beschäftigte er 24 Setzer und Drucker.
Wust war ein bedeutender Bibeldrucker. Geboren in Wittenberg wurde Wust zu Beginn seiner Tätigkeit in Frankfurt am Main vom sächsischen Kurfürst das Privileg erteilt, als „Wittenberger“ Bibeldrucker Lutherbibeln zu verlegen, die von der theologischen Fakultät der Universität Wittenberg betreut wurden. [2] Er fertigte auch billigere Ausgaben an, die für einen größeren Käuferkreis bestimmt und erschwinglich waren, sodass sich die Bibel zu einem Volksbuch entwickeln konnte.[3] Darüber hinaus druckte Wust Streitschriften, Predigten und exegetische Werke. Zu seinen Autoren zählten beispielsweise die Wittenberger Schultheologen.
In den Jahren 1666 und 1668 war Wust zahlungsunfähig. Um seine finanzielle Situation zu verbessern, gründete er mit dem Verleger Johann David Zunner dem Jüngeren eine Verlagsgemeinschaft. 1684 war Wust jedoch wieder in so hohem Maße bei jüdischen Gläubigern und dem Verleger Zunner verschuldet, dass er 1687 einen Vergleich mit Letzterem schloss und in diesem Zuge seine Verlagsrechte und Privilegien für den Bibeldruck an Zunner abtrat. [4]
Im Jahr 1702 kam es zu einer Eingabe der Stadt Frankfurt am Main an den Reichshofrat, um den Verstoß von Johann Melchior Bencard und Johann Martin Schönwetter gegen Wusts Privileg für den Druck des „Corpus Iuris“ anzuzeigen.
Im Jahr 1682 lassen sich erstmals auch Drucke von seinem Sohn Balthasar Christoph Wust dem Jüngeren nachweisen, der ab 1694 eigenständig als Drucker tätig war.
Druckerzeichen
Das Druckerzeichen von Balthasar Christoph Wust dem Älteren zeigt einen Vogel auf einem Ameisenhaufen mit einem Motto und dem Monogramm des Buchdruckers.
Ermittelte Exemplare
Verbreitet waren vor allem Wusts Bibeldrucke. Seine erste Lutherbibel erschien 1660 (VD17 3:004758F). Entsprechend dem Privileg des sächsischen Kurfürsten wiesen seine Bibeln Wittenberg als Erscheinungsort aus. Auch als der Verleger Zunner 1687 den theologischen Verlag Wusts übernahm, ließ dieser weitere Bibeln bei Wust drucken (z.B. VD17 23:715925X). Zunner erwarb 1690 in diesem Zusammenhang ein zehnjähriges kaiserliches Privileg für die deutsche Bibel, um die Rechte von Wust abzusichern. [5] 1692 erwarb Wust zudem ein kaiserliches Privileg für die Hebräische Bibel (z.B. VD17 1:051933U).
Im Jahr 1667 erhielt Wust zusammen mit Johann Baptist Schönwetter ein kaiserliches Privileg über 6 Jahre für das bereits 1611 bis 1625 veröffentlichte Werk „Acta publica“ des Historikers Michael Caspar Lundorp(z.B. VD17 1:018628B). Diese Urkundensammlung der Zeitgeschichte wurde mehrfach bearbeitet und neu aufgelegt und spiegelt den Beginn des Dreißigjährigen Krieges wider.
Großes Aufsehen unter Rechtsgelehrten erregte die Schrift „Compendium Iuris“ herausgegeben von Johann Jakob Schütz, die Wust ab 1679 für den Tübinger Buchhändler Johann Georg Cotta druckte (z.B. VD17 39:155530U). Dieses Lehrbuch basierte auf den Vorlesungen von Wolfgang Adam Lauterbach. Schütz publizierte seine Mitschriften mit Zustimmung Lauterbachs und legte ein Buch vor, dass sich an fast allen deutschen Hochschulen als ein Standardwerk etablierte und auch Spruchkollegien und Hofgerichten als Nachschlagewerk diente. [6]
Insgesamt weist das VD 17 ca. 520 von Balthasar Christoph Wust gedruckte Titel nach.
Wust druckte vor allem in lateinischer und in deutscher Sprache. Es kamen aber vereinzelt auch Drucke in griechischer, französischer und hebräischer Sprache hinzu.
Literatur
- Hermann Oertel, Die Lutherbibeln des Frankfurter Druckers und Verlegers Wust, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 59 (1985), S. 193-210.
- David Lincoln Paisey, Deutsche Buchdrucker, Buchhändler und Verleger. 1701–1750, Wiesbaden 1988, S. 292.
- Christoph Reske, Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum. Auf der Grundlage des gleichnamigen Werkes von Josef Benzing, Wiesbaden 2015, S. 278-279.
GND-Normdaten
Einzelnachweise
- ↑ Hermann Oertel, Die Lutherbibeln des Frankfurter Druckers und Verlegers Wust, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 59 (1985), S. 193.
- ↑ Hermann Oertel, Die Lutherbibeln des Frankfurter Druckers und Verlegers Wust, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 59 (1985), S. 193f.
- ↑ Johannes Wallmann, Frömmigkeit und Gebet, in: Harmut Lehmann (Hg.), Geschichte des Pietismus. Glaubenswelt und Lebenswelten, Bd. 4, Göttingen 2004, S. 84.
- ↑ Hermann Oertel, Die Lutherbibeln des Frankfurter Druckers und Verlegers Wust, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 59 (1985), S. 205f.
- ↑ Hermann Oertel, Die Lutherbibeln des Frankfurter Druckers und Verlegers Wust, in: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst 59 (1985), S. 193-210.
- ↑ Andreas Deppermann, Johann Jakob Schütz und die Anfänge des Pietismus, Tübingen 2002, S. 206-207.