Georg Rab d. Ä.
Namensvarianten:
- Corvinus, Georg (lat.)
- Corvinus, Georgius (lat.)
- Rab, Georg, der Ältere
- Rabb, Georg
- Rabe, Georg
- Raben, Georg
*?, † 1580; Buchdrucker, Druckerverleger, tätig 1557–1580
* im sächsischen Scheibenberg (Schottenloher; lt. Kastner nicht zu belegen); ∞ Margreth Sickust (⚰︎ 10.9.1580, Pallmann), mit ihr die Kinder (Berz): 1) Christoph (* 1552 in Zürich, Drucker u. a. in Frankfurt a. M.), 2) Paul (* in Frankfurt a. M.), 3) eine Tochter (* in Frank-furt a. M.); ⚰︎ 13.9.1580 (Pallmann).
Pforzheim (1557–1561) – fast 40 Drucke (VD16)
ab 1557 in Pforzheim nachweisbar, hier erschien mit einem Bericht von Jakob Andreae d. Ä. einer seiner ersten Drucke »Getruckt zů Pfortzheym/ bey Georg Raben/ im Jar/ M.D.Lvij« (VD16 A2652), ebenso die Verteidigungsschrift des Markgrafen Albrecht Alcibiades (VD16 B6986) und dessen Biographie von Jakob Heerbrand (VD16 H1090, H1091); 1558 wurde Rab wegen des Drucks der Postille des Schwenckfeldanhängers Johannes Sigmund Werner (VD16 W2056) im Turm streng verhört, wobei er sich als »neuwer angender Meister, der sich neren muess und mit schweren Kosten beladen« sei, verteidigte und so bald frei kam (Kastner); er druckte auch Werke von Sebastian Franck, Leonhard Culmann und Kaspar Brunmüller; evtl. kann ihm 1561 noch eine Disputatio von Rupert Dirr zugewiesen werden (VD16 D2020), spätestens im April 1561 war er dann in Frankfurt a. M.
Frankfurt am Main (1561–1580) - über 150 Drucke (VD16)
von Pforzheim kommend, ersuchte er am 25.2.1561 in Frankfurt am Main um Aufnahme als Bürger und schwor am 9.4.1561 den Frankfurter Bürgereid (Berz); er und seine Frau Margreth Sickust kauften Anfang 1561 das Haus »zum Krug« in der »Sonnenburger Gasse« mitsamt dem »Färbhauss vnd den andern Zinssheusern« für 1600 fl. Frankfurter Währung von Weigand Han und seiner Mutter, wobei die erste, der jeweils zur Messe fälligen Raten von 160 fl. zur Fastenmesse 1561 gezahlt wurde, außerdem zahlten sie für »zeug, Pressen, Haussraht vnd Figuren« weitere 650 fl. und schließlich für 149 Ballen, 2 Ries gedruckte Bücher 1492 fl., was aber nicht bezahlt werden konnte und deshalb mit 4 % verzinst wurde (Vertragskopie vom 14.4.1562 bei Pallmann, Berz; Schmidt: die Abzahlung von Haus und Offizin gelang bis zur Herbstmesse 1569); am 13.4.1562 schlossen Rab und seine Frau einerseits und Margarethe Gülfferich und ihr Sohn Weigand Han andererseits einen Gesellschaftervertrag, in dem letztere das von Rab zu bedruckende Druckpapier lieferten, wobei die entstandenen Drucke beiden Parteien hälftig gehörten und zu jeder Messe abzurechnen waren (Berz; Vertrag bei Pallmann); als Han im Herbst 1562 verstarb, übernahmen seine Erben seinen Anteil, Mitte 1563 trat dann mit dem Verleger Sigmund Feyerabend ein dritter Gesellschafter in die Unternehmung ein, die nunmehr »Companei« genannt wurde, Rab fungierte als Drucker, Feyerabend und Hans Erben als Verleger (Berz); bis 1564 druckte Rab ausschließlich für die Companei (Schmidt), als diese 1571 auseinanderging, blieb die Verbindung Rab/Feyerabend bestehen (Berz); Rab druckte aber auch für andere Verleger wie etwa Simon Hüter; ab 1568 fertigte er den Messkatalog von Georg Willer d. Ä.: »Impressvm ... apud Georgium Coruinum« (VD16 W3149 usw.) und druckte im Auftrag von Feyerabend das Ständebuch von Hans Sachs mit Holzschnitten von Jost Amman: »Gedruckt zu Franckfurt am // Meyn/bey Georg Raben/in // verlegung Sigmund Fey=//erabents.« (VD16 S244); 1570–1577 hatte Rab ein Vermögen von 4000 fl. zu versteuern (Berz); 1579 wurde er als Druckerverleger »Typographi et Bibliopolae« bezeichnet (Richter); am 7.7.1580 wurde sein Gesuch auf ein kaiserl. Privileg für 6 Jahre für Hans Sachs Schriften letzter Teil abgelehnt (Koppitz); nach Georg Rabs Tod wurde die Offizin von Sohn Christoph Rab übernommen.
Drucker-/Verlegermarke
Georg Rabs Druckermarke zeigt den Heiligen Georg als Drachentöter. Diverse weitere Marken gab es für die Verlagsgemeinschaft mit Sigmund Feyerabend und Weigand Han bzw. Weigand Hans Erben. In diesen Allianzsignets ist Rabs Motiv der Rabe.
Druckerzeichen von Georg Rab, verw. ca. 1572.
Aus: Zanchi, Girolamo: De Tribus Elohim, Aeterno Patre, Filio, Et Spiritu Sancto, Uno Eodemque Iehova. Frankfurt a. M. 1572.
VD16 ZV 19105
Ex.: SBB-PK Berlin 2 an: 2" Bt 1175.Volldigitalisat.Druckerzeichen von Georg Rab, verw. ca. 1576–1580.
Willer, Georg: Catalogus Novus Nundinarum Autumnalium Francofurti Ad Moenum. Frankfurt a. M. 1580.
VD16 W3172.
Ex.: SBB-PK Berlin Mess. Cat. 33. Volldigitalisat.
Literatur
- E.-L. Berz: Die Notendrucker und ihre Verleger in Frankfurt a. M. von den Anfängen bis etwa 1630. Kassel 1970 (Catalogus musicus 5), S. 37.
- S. Corsten, in: Lexikon des gesamten Buchwesens, 2. Aufl. Bd. 6 (2003), S. 154.
- H. Gerber, in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 370 zu Christoph Rab.
- H. Grimm: Deutsche Buchdruckersignete des XVI. Jahrhunderts. Wiesbaden 1965, S. 213.
- Hessische Familienkunde 3, 1956, 10, Taf. 15, auch in Alt-Frankfurt 2 (1929), S. 148. (zeigt eine Wappenscheibe (Faks.) von dem Glasmaler Hans Fetter)
- F. Kastner: „Getruckt zu Pfortzheym bey Georg Raben“. Erinnerung an einen vergessenen Frühdrucker. In: Gutenberg-Jahrbuch 69 (1994), S. 149–157.
- H.-J. Koppitz: Die kaiserlichen Druckprivilegien im Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien. Wiesbaden 2008, S. 84, K11, N21.
- H. Pallmann: Sigmund Feyerabend, sein Leben und seine geschäftlichen Verbindungen. Frankfurt a. M. 1881 (Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. Frankfurt a. M. Bd. 7, 1853/58), S. 124/125 (Beilage III), 126/127 (Beilage IV).
- G. Richter: Christian Egenolffs Erben 1555–1667. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens 7 (1967), Sp. 449–1130 (= Diss. Mainz 1964), Sp. 616.
- K. Schottenloher: Der Pforzheimer Buchdrucker Georg Rab und die beschlagnahmte Postille des Schwenckfeldjüngers Johann Werner 1558. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 81, 1929, S. 406–412.
- I. Schmidt: Die Bücher aus der Frankfurter Offizin Gülfferich-Han-Weigand Han-Erben. Eine literarhistorische und buchgeschichtliche Untersuchung zum Buchdruck in der zweiten Hälfte des 16. Jh.s. Wiesbaden 1996 (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens 26), S. 34.
- H. Wendland: Signete. Deutsche Drucker- und Verlegerzeichen 1457–1600. Hannover 1984, S. 131-132, 146.
Textbasis
Christoph Reske, Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts im deutschen Sprachraum. Auf der Grundlage des gleichnamigen Werkes von Josef Benzing. 2. Auflage. Wiesbaden 2015, S. 247-248, 843-844; aktualisiert: Reske 6/2024.